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Nachgefragt – Fünf Fragen an Annika von a tip: tap

Wie kann Leitungswasser zum Gamechanger für eine nachhaltigere Gesellschaft werden? Und welche Rolle spielen dabei digitale Tools und offene Daten? Im Kurzinterview teilt eine Vertreterin von a tip: tap e.V. ihre Perspektive – über den Umgang mit begrenzten Ressourcen, die Herausforderungen beim Ausbau von Trinkbrunnen und warum der Einstieg ins Thema einfacher ist, als viele denken.

1. Wie würdet ihr eure Arbeit einem jungen Menschen erklären, der sich für nachhaltige Entwicklung interessiert?

Leitungswasser ist ein wunderbarer Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit. Es ist für alle leicht zugänglich und bietet eine großartige Möglichkeit, aktiv etwas für die Umwelt zu tun, ohne dabei auf etwas verzichten zu müssen.Wenn wir Leitungswasser nutzen, sparen wir Plastikmüll, reduzieren den CO2-Ausstoß und schonen unser Geldbörsen. Wasser ist eine wertvolle Ressource, die wir schützen müssen, besonders angesichts der steigenden Temperaturen und der damit verbundenen Herausforderungen für die Wasserversorgung.Deshalb setzen wir uns  für verschiedene Projekte ein, die sich rund um das Thema Leitungswasser drehen.Wir arbeiten zum Beispiel an Bildungsprogrammen in Schulen, um das Bewusstsein für die Bedeutung von Wasser zu schärfen. Zudem beraten wir Gemeinden bei der Errichtung von Trinkbrunnen, damit jeder Zugang zu frischem Wasser hat. Ein weiteres Projekt ist die Ausweitung der Refill-Initiative, die es Menschen ermöglicht, ihre Wasserflaschen an bestimmten Orten kostenlos nachzufüllen. So tragen wir gemeinsam dazu bei, dass Wasser für alle gut verfügbar ist und gleichzeitig die Umwelt geschont wird.

2. Welche Rolle spielen Daten und digitale Technologien in eurer täglichen Arbeit? Gibt es bestimmte Tools oder Methoden, die euch besonders helfen?

In unserer täglichen Arbeit spielen Daten und digitale Technologien eine unterstützende, aber keine dominierende Rolle. Geodaten nutzen wir vor allem projektspezifisch: Ein Beispiel ist unser OpenStreetMap-Projekt, bei dem wir uns Gedanken über die Darstellung der Standorte von Trinkbrunnen gemacht haben. Außerdem nutzen wir die Karte von „Morgen“, um Refill-Stationen und Trinkbrunnen zu sammeln, darzustellen und deutschlandweit zu finden. Diese Karte ist ein wertvolles Hilfsmittel, um die Nutzer zu unterstützen und ihnen den Zugang zu frischem Wasser zu erleichtern. Wir stellen jedoch fest, dass ein umfassendes und benutzerfreundliches Tool fehlt, das all diese Informationen zusammenfasst und gut darstellt (auch mobil).

3. Welche Herausforderungen begegnen euch bei der Umsetzung eurer Projekte, z. B. beim Ausbau von Trinkwasserbrunnen?

Eine große Hürde ist das Fehlen einer vollständigen Übersicht über die Trinkwasserbrunnen in Deutschland. Derzeit müssen wir z.B. die Zahlen schätzen und haben keine vollständige Karte.  Zudem ist der Ausbau von Trinkbrunnen für viele Kommunen eine organisatorische und finanzielle Herausforderung. Oft fehlen die notwendigen Mittel und Ressourcen, um solche Projekte erfolgreich umzusetzen. Um diese Ungleichheiten zwischen den Kommunen auszugleichen und den Zugang zu Trinkwasser für alle zu gewährleisten, wäre ein nationales Programm von großer Bedeutung.

4. Wie können junge Menschen mit begrenztem Vorwissen in eure Themen einsteigen und einen Beitrag leisten?

Der Einstieg in unsere Themen ist für junge Menschen mit wenig Vorwissen leicht, da das Thema Leitungswasser an sich einfach und für jeden verständlich ist. Auf unserer Wasserwissen-Seite können sich Interessierte umfassend informieren und mehr über die Bedeutung von Trinkwasser und nachhaltigem Umgang mit Wasser erfahren. Darüber hinaus führen wir Bildungsangebote für alle Altersgruppen durch. Eine weitere Möglichkeit, aktiv zu werden, ist die Unterstützung der Refill-Initiative, indem man die Refill-Stationen nutzt, Informationen über die Initiative weitergibt und sogar bei Geschäften oder Einrichtungen in der Nähe anfragt, ob sie sich als Refill-Station beteiligen möchten.(Siehe auch hier; 240327_Leitfaden_Refill-Multiplikation)

5. Was hättet ihr gerne am Anfang eurer Karriere über die Arbeit mit Daten und nachhaltiger Entwicklung gewusst?

Dass es oft schwierig ist, Datenarbeit und -recherche in den NGO-Alltag zu integrieren, da die Ressourcen begrenzt sind und der Fokus oft auf den unmittelbaren Projekten liegt. Es sollten daher starke Schnittstellen zu Forschenden und Datenexpert:innen etabliert werden. Diese Kooperationen können helfen, den Zugang und die Unterstützung zu relevanten Daten und Forschungsergebnissen zu erleichtern und in weiterer Folge die wichtige Vermittlung dieser Daten und Erkenntnisse an Personen außerhalb der Forschung zu ermöglichen.

 

Vielen Dank an Annika für das Interview und die Einblicke in die Arbeit von a tip: tap – und natürlich für die inspirierende Challenge beim CDEC-Hackathon!

Annika Brunner hat Geographie und Ökologie studiert und arbeitet seit 2022 bei a tip: tap als Referentin und Koordinatorin von Refill Deutschland.